Interessanter Austausch im Blog von Peter Aschoff: Gründerkultur – der Weg ist noch weit

29 06 2009

Auf den hochinteressanten Blogeintrag von Peter Aschoff reagierte ich mit einem Kommentar. Sie können den Austausch dort selber verfolgen, wenn Sie auf den Link klicken: http://bit.ly/sa9t3. Oder Sie lesen es hier:

Eine echte Flaute im Blick auf Unternehmensgründungen gibt es laut Zeit online derzeit in Deutschland. Was für die Wirtschaft gilt, stimmt durchaus auch im Blick auf die Kirchen: Neugründungen von “Profilgemeinden” sind inzwischen in der EKD zwar denkbar, aber es gibt kaum einen Ort, wo intensiv darüber beraten wird, wie man Gründer systematisch fördert und begleitet.

Gut, was noch nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht hilft im Bereich der Landeskirchen ja diese Tagung der AMD mit dem für Frost- und Hirschgeprägte Ohren unglückliche Titel “ecclesia attractiva”.

Die Zeit nennt folgende Hindernisse dafür, dass Deutschland beim Gründen hinterher hinkt:

  • mangelnde Risikobereitschaft (man zieht die sichere unselbständige Existenz vor),
  • vergleichsweise hohe Angst vor dem Scheitern,
  • kein Zutrauen in eigene Ideen, und nicht zuletzt
  • ein Ausbildungssystem, das Gründungen nicht im Blick hat.

PS: Kann jemand den Artikel mal an die theologischen Fakultäten und Ausbildungsreferenten, Bischöfe und Synodalpräsidenten schicken?

Kommentar von mir:

Allgemein ist es richtig, dass hier in Deutschland die Gründungen zu wünschen übrig lassen. In Zahlen sieht das folgend aus: Gerade mal 3,8 % der Deutschen wagen eine Existenzgründung. Und die Deutschen sind in Sachen Existenzgründung von den 18 Vergleichländern am vorletzten Platz – noch hinter Belgien. Das sollte uns zu Denken geben.

Die Gründe, weshalb das so ist, stimmen so wie angeführt. Ich sehe aber auch noch einen weiteren Punkt als Grund: Ein Angestelltenverhältnis wird nach wie vor als sicher angesehen! Immer noch, und trotz Kurzarbeit, Stellenabbau, Abwanderung, und so weiter. Das erlebe ich im Freundes- und Bekanntenkreis immer wieder. Immer noch redet man vom sicheren Arbeitsplatz. Entsprechend die Reaktionen, nämlich gereizt, wenn man genauer hinschauen möchte, und es offensichtlich ist, dass sich der Arbeitsmarkt gravierend gewandelt hat – und sich weiter wandeln wird.

In Ihrem Artikel wurde als erstes die mangelnde Risikobereichtschaft angeführt. Und gleich drauf die hohe Angst vor dem Scheitern. Nun, ist das verwunderlich? Deutschland ist in dieser Hinsicht nicht gerade förderlich.

  1. Wer sich selbständig macht, geht ein Risiko ein. In aller Regel werden Gelder gebraucht. Das heißt, dass hier Kredite aufgenommen werden müssen. Schnell kommt man da auf eine Summe von 100 000,- € – 250 000,- €. Das Staunen ist oft sehr groß, eben weil unser Ausbildungssystem eine Gründung nicht im Blick hat, und man mit solchen Themen vorher kaum konfrontiert worden ist. Kredite kennt man fürs Haus bauen oder Auto kaufen. Und man weiß, dass man noch nach10 – 20 Jahren am Rückzahlen des Kredits dran ist.

    Bei Existengründung und Kredit ist die Furcht vor dem Scheitern groß. Denn: Wenn jemand scheitert und zahlungsunfähig wird, dann ist er im Insolvenzverfahren quasi für sechs Jahre gebunden. Er darf gerade mal an die 1 500,- € für sich behalten, was darüber hinaus geht, wird verpfändet. Im 18. Jahrhundert hat man noch unterschieden von boshaften, leichtsinnigen und unglücklichen Schuldnern (Hamburger Verordnung, 1753). Inzwischen sind wir ins Mittelalter zurückgefallen, denn heute gelten quasi alle Insolvenzler als boshaft (den Eindruck bekommt man in unserem Rechtssystem). Tatsache ist, dass von den Insolvenzlern gerade mal 8,6 % über ihre Verhältnisse gelebt haben.

    Vergleicht man das Insolvenzverfahren in anderen Ländern, sieht es ganz anders aus: In Frankreich dauert die Wohlverhaltensperiode eineinhalb Jahre und in England ein Jahr. In den USA greift Chapter 11, in dem der Schuldner vor den Gläubigern in Schutz genommen wird. Mit einem Verwalter wird dann gemeinsam geschaut zu retten, was zu retten ist. Davon sind wir in Deutschland Lichtjahre eintfernt.

  2. Scheitern wird in Deutschland als Makel angesehen. Dabei muss man gar nicht mal in Insolvenz geraten sein. Es reicht aus, wenn das Geschäft nicht gelaufen ist, und man deswegen schließen musste. Völlig übersehen wird hier, dass gerade die, die gescheitert sind, in der Regel DAS Know-how mitbringen, um was Neues auf die Beine zu stellen. Denn sie wissen inzwischen, wie man es nicht macht, und wie man es macht. Und sie bringen noch mehr Mut mit als vorher. Denn wie gesagt: Unser Ausbildungssystem sieht eine Gründung nicht vor. So sind die ersten Gehversuche in der Gründung recht zaghaft.

Wenn ein Kleinkind auf die Nase fällt, steht es wieder auf. Es wäre fatal, wenn das Kind beim zehnten mal hinplumpsen aufhören würde wieder aufzustehen! Als Erwachsene bleiben wir oftmals schon beim ersten Mal hinplumpsen liegen.

Wir brauchen in Deutschland eine korrigierte Sicht des Scheiterns. Wer scheitert ist kein Versager, sondern ein Held. Er hat gewagt, was die meisten nicht wagen. Er hat seine Komfortzone verlassen. Er hat Träume nicht Träume sein lassen, sondern sie zu Visionen gemacht. Er hat nicht lamentiert, sondern angepackt.

Bemerkenswert finde ich, dass sehr viele, die gescheitert sind, wieder aufstehen und es noch mal versuchen. Sie sind in der Tat Helden.

Kommentar von Peter Aschoff:

stimme ich 100% zu!

Kommentar von Bernie:

Viele interessante Fakten denen ich zustimme!

Zusätzlich möchte ich gerne meine Gedanken mit Dir teilen:

“Ich entscheide mich dazu eine Firmengründung positiv zu sehen.
Sie kann durchaus nebenberuflich begonnen werden. Zusätzlich entscheide ich mich mein Glas lieber “halb voll” als “halb leer” zu sehen. Wenn Jesus davon spricht dass er uns die “Fülle des Lebens” geben will ist das nicht nur geistlich gemeint. Aber es kostet mich den entscheidenden Schritt etwas anders zu machen als alle Negativdenker, die angsterfüllt an ihren Angestelltenstühlen kleben bleiben. Ich entscheide ich weiter mein bestes Leben zu leben. Das kann unter anderem bedeuten, dass es durchaus Übergangsphasen gibt, z.b. vom Angestelltenverhältnis zur Selbstständigkeit. Wer das nicht mag findet auch im Angestelltenverhältnis seine Erfüllung oder Berufung. Es kann ja schließlich nicht nur Arbeitgeber geben. Es brauch ja auch die Spezialisten zur Umsetzung von Ideen. Auch dort warten lukrative Jobs!

Wer aber gerne etwas riskiert kann nur gewinnen, entweder Erfahrung oder den “Jackpot”. Risiko ist nicht nur negativ zu werten. Start Up Unternehmen brauchen keine 100.000 bis 250.000 Euro Startkapital. Es geht auch günstiger je nach Branche.

Ich wünsche “den Deutschen” (bin ja selbst einer) dass wir uns anstecken lassen von Leidenschaft für unser Potential!! Gepaart mit unserer sehr analytischen Art sind das zwei perfekte Voraussetzungen für Erfolg!

Die Firma “Nike” hatte in ihrer Gründungsphase ja auch den simplen Satz zum Unternehmensmotto gemacht “Just do it!”. Ohne Handlung, kein Fortschritt!

Ich kann mir Kirchen und Gemeinden vorstellen, die voller Millionäre stecken. Millionäre nicht wie die Welt sie definiert, die aber freudige Geber sind und selbst zu “Business Angels” werden, wenn andere Firmen gründen wollen!

Ich habe einen Traum. Mein Traum ist der Vorbote der noch eintreffenden Realität. Es ist mein Ziel. Es wird werden wie ich glaube, denn Gott gibt mir Ideen, genau wie er sie Abraham gab. Abraham war einer der erfolgreichsten Geschäftsleute seiner Zeit!
Abraham hatte kein Problem mit Reichtum und Gott auch nicht. Wenn es jedoch mein Herz in einen Egomanen verwandelt ist es besser nicht dieses Ziel anzustreben. Denn Charakter ist wichtiger als Reichtum!

Wer sich Fehler und Pannen vorstellt wird genau dieses Szenario herbeirufen, da er/sie problemorientiert ist. Sieger sind erfolgsorientiert (denke an Olympiasieger). Sie trainieren, geben alles!

Stelle ich mir hingegen vor, wie ich erfolgreich meine Geschäftsabschlüsse meistere bin ich im wahrsten Sinne des Wortes “Kopf” und nicht “Schwanz”. Und wir Deutsche haben von Gott eine Führungsrolle zugesprochen bekommen. Das steckt sozusagen in “unseren Genen”, denn jede Kultur und Nationalität hat etwas besonderes bekommen. Wir sind Leiter auf jeder Ebene, Erfinder, Anpacker, Manager, Macher, erfolgreiche Menschen mit realistischem Blick für das Wesentlich und das Detail.

Meiner Ansicht nach müssen wir nur aufpassen, dass unsere größte Gabe (unser Kopf!) nicht zu unserer größten Schwäche wird (Angst). Denn zu viel grübel hält nur von der Handlung ab. Unternehmer müssen aber handeln um erfolgreich zu sein. Unsere Einstellung entscheidet also.

Stell Dir mal vor jeder – wirklich jeder – würde nur in Angestelltenvisionen denken. Dann gäbe es keine Arbeitgeber. Was für eine Welt wäre das?

Sei Kopf, nicht Schwanz! Ich wünsche mir mehr Ermutigung in den Medien anstelle von Negativberichten dazu was alles nicht gut läuft. Lasst uns viel mehr darauf achten was alles schon gut läuft und uns davon begeistern lassen!

Und wenn unser Bildungssystem lieber perfekte Angestellten heranzieht, so what? Ich habe als mündiger Bürger doch noch immer die Entscheidungsfreiheit ins gleiche Horn zu blasen oder nicht.

Die IHK bietet z.B. genügend Gründerseminare an, auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hilft sehr weiter: http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Service/publikationen,did=39000.html

Wer “Existenzgründung” in Google eingibt findet Informationen in Hülle und Fülle! Die KFW Förderbank vergibt sehr günstige Kredite und will regelrecht Unternehmern helfen, die eine Idee mitbringen!
Also Deutschland bietet eigentlich sehr gute Voraussetzungen zur Firmengründung. Davon wird nicht immer so viel berichtet!

Stell Dein Licht also nicht unter den Scheffel! Gehe Wagnis ein! Sei ermutigt selbst etwas zu unternehmen, egal wie negativ Medien oder Gesellschaften “Versagen” definieren oder “Existenzgründer” bewerten! Gott üffnet Türen, selbst das rote Meer für seine Kinder wenn es sein muss! Jesus rief seine Jünger aus dem Boot aufs Meer zu sich. Das kostet Überwindung. Existenzängste kommen hoch… “Was wäre wenn….” Aber wer auf Jesus schaut geht nicht unter, nur wer auf Umstände schaut!!! Das lehrt uns die Geschichte!

Das gibt mir immer wieder zu denken! :)

Viele Grüße,
Bernie





Alles gehört irgendwie zusammen

27 06 2009

Im Web habe ich ein sehr schönes Video gefunden, das das Thema Kausalität (Ursache -Wirkung-Denken) aufgreift. Wie schnell sind wir bei der Annahme, dass ein Ergebnis von einer Ursache herleitet? Natürlich ist es richtig, wenn ich gestolpert bin und mir die Knie bluten, dass ich den Grund im Stolpern sehe. Warum bin ich aber gestolpert? Weil ich z.B. einen offenen Schnürsenkel hatte und beim Laufen auf den offenen Schnürsenkel getreten bin.

Soweit in Ordnung. Nur wird es problematisch, wenn ich die Ursache weiter zurückverfolgen möchte. Wenn ich mich z.B. frage, warum ich offene Schnürsenkel hatte. Ich könnte zu der Annahme kommen, dass mich vorhin jemand abgelenkt hat, und ich die Schnürsenkel dann nicht richtig festgebunden habe. Bei einem solchen Denken neige ich sehr schnell dazu, die Schuld beim anderen zu sehen. “Thomas ist schuld, dass ich blutige Knie habe!” Peng! Falls Thomas in der Nähe ist und das gehört hat, könnte er entgegnen: “Ich? Wieso ich? Martin wollte am Telefon wissen, ob… Also, was kann ich dann dafür? Wenn Martin nicht angerufen hätte, hättest Du jetzt keine blutigen Knie.

Wir können uns lebhaft vorstellen, wohin das führen wird. Und wenn wir ehrlich sind (wir sind doch ehrliche Menschen, oder? ;-) ), dann erwischen wir uns selbst oft genug bei diesem Denkmuster. Wir sind auch schon mehrmals in die Kausalitätsfalle getappt.

Fatal wird es, wenn mehr an der “Schuldfrage” abhängt. Im Moment sehen wir, wie Asien wirtschaftlich aufholt. Die meisten Menschen in den westlichen Industrieländern fürchten sich davor. Weshalb eigentlich? Was ist der Grund sich vor dem wirtschaftlichen Erfolg Asiens zu fürchten? Beim genaueren Hinsehen stellen wir fest, dass wir linear-kausal denken. Wir sind immer noch im Denken gefangen: “Geht es uns gut, geht es den anderen schlecht. Geht es anderen gut, geht es uns schlecht. Wer gut oder besser leben kann, kann nur auf Kosten anderer leben.” Es war tatsächlich mal so (und wegen unserem schlechten Gewissen haben wir auch fleißig in die 3. Welt-Länder gespendet). Doch das hat sich gewandelt und wird sich weiter wandeln. Dass es nicht mehr so sein wird, dass die einen auf Kosten der anderen leben werden.

Statt hier zu lamentieren, dass die Industrie abwandert, sollten wir prüfen, welche Ressourcen wir haben. Was können wir, das Asien nicht kann? Oder was können wir besser als Asien? Das sind nur Beispielfragen. Genau so können wir es z.B. auch bei der Jobsuche machen. Möglich, dass ich bei meiner Jobsuche nicht erfolgreich bin. Das kann mehrere Gründe haben: Falscher Standort (= Wohnort), altes Berufsbild, schlechtes Selbstmarketing, veraltetes Denken zum Bewerbungsverfahren, und so fort. Manchmal kommen mehrere Punkte zusammen, die zum Scheitern führen. Möglich, dass ich einen Beruf habe, den es so nicht mehr gibt. Dann gilt hier die Frage: Welche Stärken habe ich? Was wird gebraucht? Was will ich? Was kann ich von meinen Stärken ausbauen? Es kommen noch weitere wichtige Fragen dazu. Doch diese sind die ersten ganz wichtigen Fragen.

Was sagt uns das zum Video? Oder anders herum: Was sagt das Video zu unseren Überlegungen hier? Zum einen sagt es uns, dass ein Ergebnis oder auch ein Ereignis nicht durch eine Ursache herrührt, sondern durch mehrere Einflüsse hervorgerufen wurde. Natürlich können und sollen wir aktiv an unserem Ergebnis arbeiten. Doch dabei müssen bzw. sollen wir auch mehrere Einflüsse wahrnehmen. Das ist das andere. Stehen wir vor einem Problem, dann hilft es, wirklich alle Einflüsse unter die Lupe zu nehmen. Das eine oder andere können wir ggf. korrigieren – oder zumindest dagegen steuern.

Viel Spaß beim Film, den ich in youtube.com gefunden habe.

(Entnommen aus youtube.com: Jamin Winans, DoubleEdgeFilms)





Bewerbung: Das Richtige machen, und doch ist es falsch?

25 06 2009

spleserbrief

Empfehlung: Ein sehr aufschlussreicher Artikel von Thilo Baum

Thilo Baum (Journalist und Buchautor) hat in seinem Blog einen sehr aufschlussreichen Artikel zum Thema Bewerbung geschrieben. Es ist eine Antwort auf einen Leserbrief von Frau Dr. Oehmichen, deren Schreiben im “Spiegel Online Forum” und in der aktuellen Spiegel Print-Ausgabe (26/2009, S. 10) erschienen ist. Deutlich hält er fest, dass ich bei meiner Bewerbung quasi alles richtig machen, und dabei doch alles falsch machen kann.

Dr. Oehmichen ist ganz frustriert über ihre erfolglosen Stellensuche. Da sie ja “phantastisch in einem naturwissenschaftlichen Gebiet ausgebildet ist”, promoviert, Auslanderfahrung, und eine “geprüfte Bewerbungsmappe” hat, versteht sie die Welt nicht mehr. Eben dass sie trotz bester Voraussetzungen scheitert. Hier macht Baum deutlich, dass sie einem falschen (und auch veralteten) Denkmuster verfallen ist. Nämlich, dass man sich bewerben, eine feste Stelle haben und Geld verdienen muss. Daran ist auch alles in Ordnung. Nur: In einem solchen Denkmuster ist man kaum in der Lage was anderes sehen zu können.

Was muss ich aber anderes noch sehen können? Hier kommt das unternehmerische Denken ist Spiel. Wenn ich mich bewerbe, mache ich Werbung für mich. Schließlich be-Werbe ich mich. Ich mache Werbung für mein(e) Angebot(e). Wenn ich jedoch ständig scheitere, muss ich mich zweierlei fragen:

  • Verfolge ich eine richtige Strategie?
  • Hat denn der Arbeitsmarkt überhaupt Bedarf an meinem Angebot?

Eine richtige Strategie, also eine Bewerbungs-Strategie, ist ganz wichtig. Es hilft nichts, einfach nur Bewerbungen zu schicken. Und auch die Meinung, so viele Bewerbungen wie möglich zu verschicken, ist ein Irrtum. Ich muss mich mit meinem potenziellen Arbeitgeber (think: Kunde) auseinandersetzen. Wer ist er? Wie ist seine Geschichte? Was bieten sie konkret an? Wo stehen sie heute? Wo wollen sie hin? Und weitere solche Fragen. Zu den strategischen Fragen gehört auch, wie ich mich bewerbe. Denn es gibt auch andere Wege sich zu bewerben. Sogar ohne Bewerbungsmappe.

Scheitere ich aber schon bei der richtigen Strategie, dann muss ich mich tatsächlich fragen, ob der Arbeitsmarkt überhaupt Bedarf an meinem Angebot hat. Wofür ich mich bewerbe, ist ein kleiner Teil vom Arbeitsmarkt. Aber ich kann mehr als das, wofür ich mich bewerbe. Was kann ich anderes anbieten? Welche Stärken habe ich, und wie kann ich die ausbauen? All das ist unternehmerisches Denken. Die Herausforderung ist die, dass ich auch bereits sein muss offen für Neues und anderes zu sein. Ich muss auch bereit sein, Hilfe und Unterstützung von Außen zu holen. Unternehmen tun das. Tun sie das auch.

Lesen Sie den ausgezeichneten Artikel selbst: http://tinyurl.com/klrm48





Vier gute Gründe sich coachen zu lassen – Grund 2

23 06 2009

206017_R_by_Christian-Scharinger_pixelio.deGrund 2: Beratung und Coaching ist Arbeitnehmersache

Früher wurden Arbeitnehmer von Unternehmen zu Coachings und Weiterbildungen geschickt. Inzwischen hat sich das gravierend gewandelt. Heute nehmen sich die Arbeitgeber immer mehr davon zurück. Der Arbeitnehmer ist heute für sein Weiterkommen selbst verantwortlich.

Der Grund ist ganz einfach: Früher war ein Arbeitnehmer in der Regel sehr lange im Unternehmen. Im besten Fall bis zur Rente. Dieses Modell gibt es immer weniger. Der Arbeitnehmer von heute und morgen wird in seinem Leben für mehrere Unternehmen gearbeitet haben. Dass sein Lebenslauf früher auf eine DIN A4-Seite gepasst hat, war mehr oder weniger üblich – oder besser gesagt: gern gesehen. Heute passt ein Lebenslauf auf zwei bis drei Seiten!

Warum soll also ein Unternehmen in einen Arbeitnehmer investieren, der morgen schon weg sein kann? Natürlich sind manche Unternehmen auch bereit Arbeitnehmer, die an sich arbeiten wollen, zu unterstützen. Es kommt dann schon vor, dass sie für einen Teil der Kosten aufkommen.

Der Arbeitsmarkt hat sich gravierend gewandelt. Das ist Fakt. Der Arbeitnehmer von heute ist sein eigener Unternehmer. An diesen Gedanken muss er sich gewöhnen. Statt darüber zu lamentieren, ist es besser, die Chancen zu erkennen. Dazu eine Legende, die unser Leben und Arbeitsleben veranschaulicht:

Eine indische Legende berichtet:

Gott schuf eine Muschel und legte sie auf den Meeresboden. Dort führte sie kein aufregendes Leben. Den ganzen Tag über tat sie nichts anderes, als ihre Klappe zu öffnen, etwas Meerwasser hindurchfließen zu lassen und dann wieder die Klappe zu verschließen. Tagaus, tagein, gab es für sie nichts anderes als Klappe auf, Klappe zu, Klappe auf, Klappe zu, Klappe auf, Klappe zu, Klappe auf, Klappe zu…

Dann schuf Gott den Adler. Ihm gab er die Freiheit zu fliegen und selbst die höchsten Gipfel zu erreichen. Es existierte fast keine Grenze für ihn. Allerdings zahlte der Adler für diese Freiheit einen Preis: Täglich musste er um seine Beute kämpfen. Nichts fiel ihm einfach so zu. Wenn er Junge hatte, musste er oft tagelang jagen, um genügend Futter heranzuschaffen. Aber diesen Preis bezahlte er gerne.

Schließlich schuf Gott den Menschen und führte ihn zuerst zu der Muschel und anschließend zum Adler. Dann forderte er ihn auf, welches Leben er führen wolle.

Wir haben tatsächlich die Wahl zwischen den beiden Lebensformen. Die Muschel steht für die Personen, die es versäumen, ihren Horizont zu erweitern. Der Preis ist dafür oft, dass sie ihr Leben lang stets das gleiche tun müssen. Wer sich entscheidet, wie ein Adler zu leben, der hat sicherlich keinen leichten Weg gewählt. Aber genau das ist der Punkt. An diesem Weg lernen und wachsen wir. Und je mehr wir lernen und wachsen, umso freier werden wir.

Und wenn ich meine Weiterbildung und mein Coaching in die Hand nehme, nehme ich mein leben in die Hand. Ich entscheide, wie es weiter gehen wird. Und ich entscheide, wohin es gehen wird.

(Bild: Pixelio – Christian Scharinger)





In sich investieren = in die Zukunft investieren – Vier gute Gründe sich coachen zu lassen

18 06 2009

successGrund 1: Beratung und Coaching ist pro-aktives Handeln

War früher eine Beratung bzw. Coaching eine Art Rettungsschwimmer, so gehört es heute schon selbstverständlich dazu sich coachen zu lassen. Wenn man in die Beratung oder ins Coaching ging, dann weil nichts mehr ging. Man versuchte damit eine Krise zu umschiffen, das Ruder zu umreissen, zu retten, was zu retten ist. Heute geht man ins Coaching, weil man in sich investieren möchte – und damit in die Zukunft investiert. Der Arbeitnehmer von heute merkt, dass der Arbeitsmarkt sich wandelt – eigentlich: sich schon gewandelt hat. Er weiß auch, dass seine Zukunft darin liegt, dass er sich vorbereitet und fit hält, bzw. sich fit macht.

Heute zählen nicht mehr die Fachkompetenzen alleine, um Erfolg zu haben. Der Arbeitnehmer von heute ist sein eigener Unternehmer. D.h. dass er vorrausschauend handeln muss. Denn den sicheren Arbeitsplatz gibt es nicht (mehr). Selbst Konzerne machen dicht (siehe aktuelle Krisen), oder sehr viele sind von Kurzarbeit betroffen. Wer noch Vollzeit-Arbeit hat, schätzt sich glücklich, geht aber Morgen für Morgen mit bangen Fragen zur Arbeit: “Wie lange geht das nocht gut?”.

Doch was ein Arbeitnehmer u.a. heute können muss: Er muss ich verkaufen können. Eine typische Bewerbungsmappe mit seinen Zeugnissen reicht nicht mehr. Wie überzeugt der Arbeitnehmer, dass das Unternehmen gerade ihn einstellen soll? Oder wenn es um befristete Arbeitsverträge geht: Wie überzeugt der Arbeitnehmer das Unternehmen, dass es ihn einkaufen soll? Der Arbeitnehmer tut nichts anderes als zu verkaufen. Bewerbungsschreiben sind nichts anderes als Mailings der Akquise.

Selbst wenn der eigene Arbeitsplatz (noch) sicher ist, weiß der Arbeitnehmer von heute, dass er an sich arbeiten muss. Er muss schauen, dass er für das Unternehmen wichtig bleibt. Außerdem will er auch Karriere machen. Karriere heißt hier weniger die Hierarchie-Stufen zu erklimmen, sondern viel mehr an seinem Platz weiter kommen, zum Experten werden, zum Top-Arbeitnehmer in seiner Sache werden. Das schließt mit ein, dass er sich und die Sache verkaufen können muss. Dass er überzeugen kann, und dass er auch mit Widerstand umgehen kann (weil vielleicht irgendjemand seinen Vorschlag ablehnt, aus welchen Gründen auch immer, oder weil jemand mit unfairen rhetorischen Mitteln versucht von ihm abzulenken).

Ein Arbeitnehmer, der sich coachen lässt, überlässt nichts dem Zufall! Natürlich kann es passieren, dass er auch mal in die Arbeitslosigkeit rutscht. Doch das hindert ihn nicht daran sein Ziel kontinuierlich zu verfolgen. Er ist vorbereitet und kennt seine nächsten Schritte. Auch lässt er nicht mit sich spielen. Hat er den Eindruck, dass er beruflich nicht weiter kommt, oder dass man übel mit ihm spielt, ist er vorbereitet: Er streckt seine Fühler aus.

Sich beraten und coachen lassen ist aktives Handeln. Besser ausgedrückt: sich beraten und coachen lassen ist pro-aktives Handeln. Ich tue etwas, um weiter zu kommen. Oder wenn ich bestimmte Ziele verfolge: Ich setze mich ein, meine Ziele zu erreichen.





Humankapital – Trotzdem: Wer scheitert, wird dadurch nicht wertlos

14 06 2009

85215_verworfenDer Redner hielt einen 50-Euro-Schein in die Luft: „Wer von Ihnen möchte diesen 50-Euro-Schein haben?“, fragte er sein Publikum. Zahlreiche Hände gingen hoch. Da nahm er den Schein und zerknüllte und zerknautschte ihn, riss Ecken hinein bis der Schein nur noch ein unansehnliches Knäuel war. Wieder fragte er: „Wer von Ihnen möchte jetzt noch diesen 50-Euro-Schein haben?“ Wieder gingen fast alle Hände hoch. „Na, gut“, sagte der Redner und warf das Schein-Knäuel auf den Boden. Dann stampfte er mit seinen schmutzigen Schuhen darauf herum, wischte sie daran ab und erzählte dazu eine Geschichte von dem schmierigen Trottoire, durch den er zuvor gegangen war. Dann hielt er das zerschundene Stück Papier mit zwei spitzen Fingern hoch: „Wer von Ihnen möchte diesen 50-Euro-Schein jetzt noch haben?“ Es waren nur ein paar Hände weniger, die aufzeigten. Das Gros wollte ihn noch immer haben. Egal, was er mit dem Geldschein anstellte, wie schmutzig oder zerknittert er auch war, der Wert blieb gleich: 50 Euro.” (Quelle: Unbekannt)

So ist das auch mit Menschen. Wer hinfällt, wird nicht wertlos. Ebenso, wenn ständig auf ihnen herumgetrampelt wird, sie fallen gelassen werden, oder sie sich vollkommen verrannt haben, sprich: gescheitert sind. Der Wert bleibt.

Mit diesem Bewusstsein, sind wir eher in der Lage aufzustehen. Nur wenn ich aufstehe, gehe ich weiter. Nur wenn ich aufstehe, erreiche ich mein Ziel. (Übrigens: Kenne ich mein Ziel?)

(Bild: Pixelio – S. Hofschlaeger)</span





Ein einziges Wort: Macht mit Worten

12 06 2009

Övningsbild Moderskeppet.seAls der Meister eines Tages von der hypnotischen Kraft der Worte sprach, rief jemand vom hinteren Ende des Saals laut dazwischen: „Sie reden Unsinn. Wenn ich Gott, Gott, Gott sage, wird mich das dann göttlich machen? Und wenn ich Sünde, Sünde, Sünde sage, wird es mich böse machen?“
„Setz dich hin, du Hurensohn“, sagte der Meister.
Der Mann wurde kreidebleich vor Zorn und brachte eine Weile kein Wort heraus. Doch bald überschüttete er den Meister mit wüsten Beschimpfungen.
Mit zerknirschtem Gesicht sagte der Meister: „Entschuldigen Sie, mein Herr, ich ließ mich hinreißen. Ich bedauere die unverzeihliche Entgleisung aufrichtig.“
Der Mann beruhigte sich sofort.
Der Meister sagte: „Sehen Sie, da haben Sie Ihre Antwort: Alles was es brauchte, war ein einziges Wort, um Sie zu einem Wutanfall zu bringen, und ein anderes Wort, um Sie zu beruhigen.“

Wer sich auf ein ähnliches Experiment einlässt, wird zum selben Ergebnis kommen. Wer mit Worten umgehen kann, ist durchaus in der Lage zu steuern. Genauer: Menschen zu steuern.

Meine erste Erfahrung machte ich vor Jahren, als ich noch keine Berührungen zur Psychologie hatte. Eine gute Bekannte von mir erhielt ein Fax von einer Kollegin mit einer Frage zu einem Gerücht, das sie betraf. Meine Bekannte ärgerte sich über diese „Unverschämtheit“, wie sie es empfand. Den Stift schon in der Hand, wollte sie ihr eine patzige Antwort schreiben. „Halt“, rief ich dazwischen. „Ich habe eine bessere Idee wie Du ihr antworten kannst. Bist du bereit, dich darauf einzulassen?“ Neugierig willigte sie ein. So diktierte ich ihr die Antwort, die sehr kurz ausgefallen war. Die Antwort war wertneutral, aber so geschrieben, dass sie verschiedene Interpretationen zuließ.

Neugierig standen wir am Faxgerät und warteten auf die Reaktion. Die kam auch prompt. An den Worten, die die Kollegin dann benutzte, konnten wir sehen, dass sie sich über unsere Antwort ärgerte. Nochmal diktierte ich unsere Antwort (ohne dass die Kollegin von mir wusste). Die nächste Reaktion war entsprechend: Die Schrift war größer und die Sätze kürzer. Um den Bogen nicht zu überspannen diktierte ich eine entschärfende Antwort. In der entschärfenden Antwort sprachen wir die Kollegin auf ihren Ärger direkt an, und das was sie hineininterpretierte. Anschließend erklärten wir, was wir tatsächlich gemeint hatten. Wir erklärten also was wir gesehen haben und eigentlich sagen wollten. Bei der nächsten Reaktion musste ich schmunzeln – weil alles so abgelaufen war, wie ich es erwartet hatte: Die Schrift der Kollegin war wieder normal, die Sätze länger, und die Begriffe weicher.

Was haben wir gemacht? Die ersten Antworten waren breit gefasst. Die Kollegin konnte die Antwort so oder so lesen. Da sie eigentlich mit einer patzigen Antwort rechnete, las sie die Antworten entsprechend. Erst in der letzten Antwort wurden wir konkret. Wir ließen keinen Freiraum für Interpretationen zu. Gleichzeitig erklärten wir, was wir sahen.

Das war meine erste Erfahrung mit Worten und Macht. Lange dachte ich über mein Experiment nach. Einerseits fand ich es sehr faszinierend, andererseits fand ich es erschreckend. Schließlich hieße das, dass jemand, der mit Worten umgehen kann, auch andere Menschen manipulieren kann. Heute noch.

Statt aber hier ständig auf die Gefahren zu schauen, sollen wir uns auch die Chancen bewusst machen. Gekonnt mit Worten umgehen heißt nämlich auch, Missverständnisse vorzubeugen. Oder wenn Missverständnisse vorhanden sind, lassen diese sich mit klaren Worten beseitigen. Mir muss bewusst sein, was bestimmte Begriffe auswirken können. Welche Worte sollte ich eher durch ein anderes Wort austauschen? Das heißt, dass ich mir vorher Gedanken darüber mache, was ich erreichen möchte, und was ich auf gar keinen Fall erreichen möchte.

Das ist Mühsam? Natürlich ist das mit Arbeit verbunden. Das ist vergleichbar mit der ersten Fahrstunde. Oder mit dem ersten Lesen in der Schule. Wer sich darüber noch keine Gedanken gemacht hat, muss ich erst hineinfinden. Die ersten Schritte sind noch unsicher. Doch durch Übung und Training komme ich langsam aber sicher rein. Irgendwann verwende ich bestimmte Floskeln nicht mehr. Oder mir fällt auf, dass ich bestimmte Begriffe gar nicht mehr verwende. Gleichzeitig fällt mir auf, wie die Reaktionen in meinem Umfeld sich verändern. Allein das lohnt meine Investition an Zeit und Geld.

(Bild: Pixelio – Ingo Neumann)








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