Der Mann, das emotionale Sparschwein

16 10 2008

Diesen Satz habe ich nicht aus dem Mund einer Feministin. Formuliert hat diese Erkenntnis viel mehr ein Mann: Dr. Mathias Jung. Dr. Jung ist Psychotherapeut und Philosoph am Gesundheitszentrum Lahnstein. Worum geht es?

Männer können über Sex reden. Aber sie sind schwer in der Lage über Liebe und Gefühle zu sprechen. Ein Defizit, das viele Dramen und Tragödien heraufbeschworen hat – und weiterhin heraufbeschwören wird. Was aber Gefühle bedeuten, und welche Auswirkungen sie haben, ist den wenigsten Männern bewusst.

Wieso fällt es Männern schwer über Gefühle zu reden? Wieso weichen Männer schnell aus, wenn Gefühle angesprochen werden? Oder noch schlimmer: Wieso schweigen Männer, wenn es um Gefühle geht?

Wenn ein Mann über Gefühle sprechen soll, fühlt er sich auf dem Glatteis laufen. Emotionen sind für Männer etwas Unberechenbares. Sie lassen sich nicht fassen. Sie lassen sich nicht messen. Und sie entsprechen nicht logischen Schlussfolgerungen, denn sie sind psycho-logisch. Dazu gehört, dass im Denken der Allgemeinheit eher die Meinung vertreten ist, dass die Gefühlswelt eher weiblich ist als männlich (Sicher haben Sie den Begriff „Weiberkram“ oder „Gefühlsduselei“ schon einmal gehört).

Ich erinnere mich an einen Männerabend, in dem es um das Mann-sein ging. Dort begleitete ich nur einen Bekannten. Und er tat mir an diesem Abend leid. Denn dieser Männerabend zog sich hin wie Kaugummi. Mein Bekannter musste den anwesenden Männern quasi alles aus der Nase ziehen. Das Schweigen war groß. Keiner wagte es gar zu hüsteln, so still war es. Doch dann als die Stunde offiziell fertig war, schellte der Geräuschpegel merklich hoch. Neugierig hörte ich einigen Gesprächen zu. Es war regelrecht faszinierend. Sie unterhielten sich allesamt über emotionale Themen – nur eben nicht auf der emotionalen Ebene. Sie bewegten sich in der Unterhaltung alle auf der sachlichen Ebene, doch es ging um deren eigene Emotionen und Bedürfnisse.

Männer argumentieren Probleme lieber sachlich. Auch und gerade im Berufsleben argumentieren Männer stets sachlich: Beim Verkaufsgespräch, bei einer Präsentation, bei einer Krisensitzung, einfach überall. Tatsächlich aber entscheiden Emotionen das Problem. Es sind auch die Emotionen, die eine Kaufentscheidung hervorrufen. Professionelle Verkäufer lernen auf der emotionalen Ebene zu reden.

Es würde jedem Mann gut tun, die Welt der Emotionen kennen zu lernen. Dann versteht er nicht nur andere besser, sondern auch sich selbst. Und der Umgang mit Menschen wird viel effektiver. Kaum zu glauben: Aber wer zu seinen Gefühlen steht, gewinnt an Respekt in seinem Umfeld. Denn damit zeigt er Stärke. Probieren Sie es aus.





Mein Gastbeitrag in einem anderen Blog

6 10 2008

Mein Artikel von Freitag, 03. Oktober 2008, ist letzten Samstag ebenfalls in einem anderen Blog erschienen. Allerdings unter der Überschrift Drei Schritte für den Umgang mit Ehekrisen.

Weitere Artikel finden Sie in: Cafe-Inmeinerstrasse.





Drei Schritte um aus der Krise wieder herauszukommen

3 10 2008

Sie gelten als gefährlich, bösartig und zerstörerisch. Deshalb meidet man sie besser. Versucht so lange herum zu reden wie es nur geht. Hofft, dass es sich schon von alleine regeln wird. Oder auch anders herum: Man rastet lieber gleich aus, zur Einschüchterung, bevor alles an die Oberfläche kommt. Die Rede ist von Konflikten und Krisen.

Mit Krisen umzugehen ist sicherlich unangenehm, denn Emotionen sind im Spiel. Gleichzeitig sind Konflikte unberechenbar. Trotzdem: Konflikte sind nicht an sich gefährlich, bösartig oder zerstörerisch. Sie werden es nur, wenn Konflikte nicht an- oder ausgesprochen werden. Denn dann sind Konflikte in der Tat gefährliche Zeitbomben. Jederzeit in Gefahr zu explodieren und eine gewaltige Wucht der Zerstörung zu hinterlassen.

Konflikte haben viele Gesichter. Belässt man sie, haben sie alle ein Ziel: Zerstörte Beziehungen. Sie anzugehen kostet Mut, Kraft und Zeit. Gehen Sie Konflikte und Krisen an, gewinnen Sie alles. In jeder Beziehung! – Im wahrsten Sinne des Wortes.

Hier stelle ich Ihnen 3 Schritte für den Umgang mit Konflikten und Krisen vor:

  1. Nehmen Sie für sich eine gemeinsame Zeit von einer Stunde in der Woche
  2. Sagen Sie, was Sie sich wünschen und was Sie empfinden
  3. Lernen Sie eine andere Sprache sprechen

Planen Sie nur für sich eine Stunde Zeit in der Woche ein. Stellen Sie das Telefon ab. Geben Sie Ihre Kinder der Oma oder bestellen Sie einen Babysitter. Nichts darf Sie in dieser Stunde stören oder ablenken (also auch Handy aus). In dieser Stunde erzählen Sie nur von sich. Nicht über das was Sie in den Tagen unternommen haben oder was im Geschäft gelaufen ist. Erzählen Sie von sich. Was sehen Sie? Wie sehen Sie Ihre Beziehung? Was empfinden Sie? Was ist Ihnen wichtig? Welche Träume haben Sie? Und: Nur einer redet! 10 – 15 Minuten lang. Keiner redet dazwischen. Einwände, (ver-meintliche) Korrekturen und auch Verteidigungen sind verboten. Nachfragen ist nur in diesem Sinn erlaubt, dass Sie Ihren Partner richtig verstanden haben. Nach diesen 10 – 15 Minuten wechseln Sie einander ab. Jetzt redet der andere – ohne unterbrochen zu werden. Sie wechseln sich so lange ab bis die Stunde voll ist.

Jedes Paar lebt in einer doppelten Wirklichkeit. In der eigenen und in der des Partners. Konflikte entstehen, wenn eigene Erwartungen nicht erfüllt werden. Sie entstehen aber auch, wenn die eigene Wirklichkeit dem Partner überstülpt werden will.

Die eigene Wirklichkeit ist nicht mit der Wahrheit gleichzusetzen. Jeder Mensch hat eigene Bedürfnisse, eigene Wünsche und eigene Empfindungen. Wenn Sie Ihre Bedürfnisse und auch Vorstellungen nicht aussprechen, wird Ihr Partner nichts davon wissen können. Er wird keine Chance dafür erhalten Sie zu verstehen. Gedanken kann niemand lesen. Frisch verliebte Paare scheinen nur deshalb in der Lage zu sein, Gedanken zu lesen, weil sie einander zugewandt sind. Das heißt: Sie erzählen sich alles, und damit auch ihre Wünsche, Bedürfnisse und Empfindungen.

Lernen Sie eine andere Sprache sprechen. Wenn Sie von sich erzählen, dann nur von sich. Beschuldigen Sie niemanden. Schildern Sie wie Sie Dinge, die Sie stören, sehen oder empfinden. Was macht es mit Ihnen? Und wie hätten Sie es gerne anders? Hilfreich ist es, wenn Sie stets versuchen bei einer Schilderung zu erklären wie Sie sich dabei fühlen. Denn damit erklären Sie Ihrem Partner Ihre Sicht. Gleichzeitig erhält er einen Einblick in Ihre Wirklichkeit. Eventuell haben Sie bisher Ähnliches gesagt: „Du rufst nie an, wenn es später wird. Du machst eh nur was du willst.“ Ihr Partner fühlt sich hier angegriffen und wird sich verteidigen wollen – erst mal aus Reflex. Jeder reagiert zunächst mit Verteidigung. Wie aber klingt nun das? „Du rufst nie an, wenn es später wird. Ich mache mir dabei Sorgen, und ich bekomme dann immer das Gefühl ich bin dir egal.“ Ihr Partner bekommt nun die Erklärung, was in Ihnen tatsächlich vorgeht. Er erhält die Chance Sie zu verstehen.

Die erste Zeit für solche zugewandte Gespräche ist sehr wahrscheinlich schwierig. Geben Sie aber trotzdem nicht auf. Erinnern Sie sich daran, wie lange Sie an Ihrem Berufsleben gebraucht haben, oder wie oft Sie sich bei Ihren Kindern wiederholen müssen bis es klappt. Bei akuten Krisen sollten Sie dringendst einen Eheberater bzw. Paar-Coach holen.

(Foto: www.pixelio.de)





Mein Gastbeitrag in einem anderen Blog

29 09 2008

Heute ist ein Gastbeitrag von mir in einem anderen Blog erschienen. Der Titel: Ehekrisen: Lassen sie sich vorbeugen?.

Wie versprochen werde ich Sie bei weiteren Veröffentlichungen am Laufenden halten – es sind noch einige Artikel geplant.

Weitere Artikel finden Sie in: Cafe-Inmeinerstrasse.





Die Katze im Sack? Paarberatung – Was bringt das?

25 09 2008

Paare empfinden beim „Kauf“ von Paarberatungen ein hohes Kaufrisiko. Viele Fragen bleiben offen:

1. Ist der Berater wirklich fit in seiner Sache? – Mit anderen Worten: Ist er kompetent?
2. Passt es menschlich? Werden wir uns „riechen“ können?
3. Inwieweit kann ich abschätzen, ob die Sitzungen uns tatsächlich Nutzen bringen werden?
4. Wird die Beratung erfolgreich sein?

Sie haben stets das Gefühl die Katze im Sack kaufen zu müssen. Doch das muss nicht sein.

Natürlich ist es ein Unterschied, ob Paare ein Produkt „Auto“ kaufen oder ein Produkt „Beratung“ (Dienstleistungen sind Produkte!). Ein Auto ist sichtbar. Ich kann es anfassen. Es gibt Daten zur PS-Leistung und zum eventuellen Verbrauch. Gleichzeitig kann ich eine Probefahrt damit machen. Dagegen die Beratung, die ganz anders ausfällt. Sie ist nicht sichtbar. Ich kann es nicht anfassen. Messbare Daten? Fehlanzeige.

Trotzdem haben Paare die Chance ein gutes Produkt Beratung zu bekommen. Nur wie? Hier ein paar Hilfestellungen:

  1. Bestehen Sie auf ein kostenloses Erstgespräch (Orientierungsgespräch)
  2. Fragen Sie konkret nach, wie der Berater mit Ihnen arbeiten will
  3. Werden Sie stutzig, wenn der Berater Ihnen sehr hohe Erfolgsaussichten verspricht – oder überhaupt etwas verspricht

Das Erstgespräch dient zum Kennenlernen. Sie lernen den Berater kennen, und der Berater lernt Sie kennen. Dadurch erhalten beide Seiten die Chance abzuwägen, ob die „Chemie“ stimmt und ob eine Zusammenarbeit möglich ist. Gleichzeitig ist das die Zeit, in der der Berater Ihnen seine Arbeitsweise erklären soll. Was hat er mit Ihnen vor? Wird er mit Ihnen ringen? Wird er mit Ihnen gehen und die Zügel halten (z.B. als Moderator)? Und ebenfalls sehr wichtig: Werden Sie Hausaufgaben bekommen? Durch diese Fragen bekommen Sie schon mal den ersten Eindruck. Wird das Produkt Beratung bei diesem Berater, bei dem Sie sitzen, Qualität haben oder nicht?

Sollte der Berater Ihnen sehr hohe Erfolgsaussichten versprechen, dann seien Sie zu recht stutzig. Kein Berater kann vorhersagen, ob Sie wieder zueinander finden werden. Und das wird kein seriöser Berater je machen. Ob Sie wieder zueinander finden ist Ihre Verantwortung. Der Berater hat nur die Aufgabe Ihnen zu helfen aufeinander zuzugehen, Missverständnisse aufzuzeigen, und tiefe Beweggründe mit Ihnen herauszuarbeiten. Doch die Entscheidung, was Sie daraus machen, und wie es weiter gehen wird, liegt in Ihrer Hand.

Mir ist sehr wohl bewusst, dass es Paar-Beziehungen gibt, in denen einfach nichts mehr geht. Und trotzdem entscheiden diese Paare, wie es weiter gehen wird. Hoffnung gibt es immer, wenn beide Partner an sich arbeiten wollen und von sich aus kommen – ohne vom anderen mitgeschleppt worden zu sein.








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