Hochzeitvorbereitung? Klar! – Ehevorbereitung? Hä..?

5 09 2008

Perfekt vorbereitet und inszeniert geht der Mann vor seiner Angebeteten auf die Knie. Mit feuchten Augen und zittrigen Händen schaut sie auf ihn runter. Die Menge hält den Atem an. Es ist als hätte jemand die Zeit angehalten. Stille. Nur das Herzklopfen des Liebespaares ist noch zu hören. Der Mann braucht alle Kraft, um seinen Mund aufzubekommen.

Dann… die Worte… die Worte auf die sie insgeheim schon länger gewartet hat. „M-Moni… schon drei Jahre sind wir durch dick und dünn gegangen…“, er muss nochmal schlucken, um weiterreden zu können. „Jeder Tag hat mir auf´s Neue gezeigt, du bist meine beste Hälfte. Und Tage ohne dich haben mir gezeigt, dass mir was fehlt, wenn du nicht da bist. Darum…“, er hält inne. Der Menge stockt der Atem. Die Angebetete hält die Luft an, und hält sich an der Brust fest. Sekunden vergehen, es ist kaum auszuhalten. Dann endlich… „Darum frage ich dich: Willst du dein Leben lang an meiner Seite sein. Gemeinsam mit mir unseren Lebensweg beschreiten? Willst du… willst du meine Frau werden?“ Er schwitzt. Seine Gedanken rasen. Zwar ist er sich so sicher. Sie wird ja sagen. Trotzdem tauchen tausend Gedanken auf, sie könnte auch anders. Doch dann die Erlösung. Sie haucht ihm ein Ja zu. Die Menge tobt. Der Mann könnte vor Erleichterung einfach zusammenbrechen…

Doch dann geht es ruck-zuck. Die Vorbereitung der Hochzeit steht an. An tausend Dinge gleichzeitig muss gedacht werden. Wer wird eingeladen? Und wer nicht? Wo wird gefeiert? Das Brautkleid muss ausgesucht werden. Kosten werden überschlagen. Ein Fotograf muss gefunden werden.

Würde jetzt jemand die hektische Meute von Familie und Brautpaar fragen, was der Aufwand eigentlich soll, der kann froh sein nicht geteert und gefedert zu werden. Missbilligende Blicke, wenn nicht gar Killerblicke, sind ihm sicher. Und dann muss er sich darauf gefasst machen, sich den Vorwurf anzuhören, ob er denn noch ganz normal sei.

Dabei: So unsinnig ist diese „idiotische“ Frage gar nicht. Natürlich braucht es eine gute Vorbereitung für die Hochzeit. Es soll auch ein Tag der besten Erlebnisse und der besten Erinnerungen werden. Und doch… bedenkt man, was eine Hochzeit eigentlich ist und was daraus werden soll, dann ist es erschreckend, dass eigentlich gar nichts! vorbereitet wird – (nein, da hat sich kein Schreibfehler reingeschlichen :) ).

Bei der Hochzeitvorbereitung wird nur das Rahmenprogramm vorbereitet. Das Fest selber. Aber die Ehe selber wird nicht vorbereitet. „Ehevorbereitung? Na, wir sind schon so lange zusammen, wir wissen, dass es mit uns klappt.“, sind sich die meisten Brautpaare sicher. Nun, das haben 190 928 Paare auch geglaubt, als sie geheiratet haben und 2006 geschieden wurden (Quelle: destatis).

Bemerkenswert ist das schon: Für alles braucht es eine Ausbildung. Nur für die Ehe und für die Erziehung der Kinder braucht es keine Ausbildung. Da soll es plötzlich von alleine funktionieren. Bemerkenswert auch, wie viel Geld für die Hochzeitvorbereitung ausgegeben wird. Das Brautkleid kostet alleine ab 700,- € aufwärts. Ein guter Fotograf verschlingt schnell 300,- – 600,- €. Das sind alles Dinge, die einmal benutzt werden. Das Brautkleid staubt hinterher vor sich hin. Selbst wenn es wieder verkauft wird, das Geld, was es mal gekostet hat, bekommt man nicht wieder rein.

Zu einer Hochzeitvorbereitung gehört auch eine professionelle Ehevorbereitung. Das Paar lernt sich in der Ehevorbereitung nochmal richtig kennen. Sie lernen verstehen, warum und weshalb sie sich in den jeweiligen Situationen so oder so verhalten. Sie lernen effektiv miteinander zu kommunizieren. Und sie lernen sich richtig miteinander zu streiten. Von einem Pastor habe ich mal gehört, dass er ein heiratswilliges Paar wieder heimgeschickt hat, als er erfahren hat, dass sie sich noch nie gestritten hatten. Das ist extrem. Nicht unbedingt nachahmenswert, aber nachvollziehbar. Denn wer heiratet ist nicht am Hafen der Ehe angekommen, der legt gerade ab…








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